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Ein Münchner im Milljöh. “Berliner Bilder” von Karl Arnold

Seit 1921 betätigte sich Karl Arnold, einer der Hauptzeichner und Miteigner des Münchner Satiremagazins Simplicissimus, als Chronist des “wilden” Lebens in der preußischen Metropole. Seine Berliner Bilder erschienen in unregelmäßiger Folge und brachten es auf insgesamt 48 Blatt. Mit der Publikation eines gleichnamigen Sammelbandes hatte die Reihe dann 1924 auch ihren Abschluß gefunden.

Arnold, der zur zweiten Generation der Simpl-Zeichner zählte, hatte sich geschickt in den von Thomas Theodor Heine, von Olaf Gulbransson und Bruno Paul geprägten Stil des Hauses eingefunden. In der Hauptstadt traf er dann auf ein pressegrafisches Terrain, das fremd und anziehend war, bestellt von lokalen Größen wie Heinrich Zille, Paul Simmel, Fritz Koch-Gotha und neuerdings auch dem jungen George Grosz. Herausgekommen ist denn auch eine Art weichgespülter Grosz, mit einer Tendenz zur jugendstiligen Eleganz, die dementsprechend auch ohne die inhaltlichen  Grobheiten des KPD-Dadaisten auskommen wollte. Der sah sich gezwungen nach der Machtergreifung in die USA zu fliehen und das FAZ- Feuilleton wundert sich, dass einer wie Arnold, der zuvor durchaus auch mit frechen Hitlerkarikaturen aufgefallen war, nicht nur von Verfolgung verschont geblieben ist, sondern sogar munter weiterzeichnen durfte. Arnold gehörte zu denjenigen, die sich arrangierten. Andere “kritische” Simpl-Zeichner wie Eduard Thöny und Olaf Gulbransson ergriffen sogar begierig das braune Parteibuch und die dazu gehörige Ideologie. Die Geschichte der deutschen politischen Karikatur im Übergang von der Republik zur Nazi-Diktatur ist noch wenig erforscht. Einige Lebensläufe liegen noch im Dunkeln. Dabei sind bislang nur wenige Märtyrer der Widerständigkeit bekannt und einen Fall Erich Ohser, der als O.E.Plauen für die Berliner Illustirte Zeitung zeichnete, muss man nach dem bisherigen Stand der Kenntnisse wohl eher als Ausnahme werten. Schaut man sich beispielsweise die bekannten Biografien von Zeichnern des sozialistischen Satiremagazins Der wahre Jacob an, das in seiner Opposition zum aufkeimenden Nationalsozialismus ungleich entschiedener war als der großbürgerliche Simplicissimus, dann fällt auf, dass etliche der heftigsten Hitler – Demonteure wie Karl Holz oder Willibald Krain in der Nazizeit zwar mit einem Berufsverbot als Pressezeichner belegt waren, aber doch noch auf anderen Feldern der Gebrauchsgrafik überleben konnten. Andere wechselten gar in das feindliche Lager über und zeichneten beispielsweise für Die Brennessel.

Karl Arnold: Flimmer-Diele 1922 (aus: Berliner Bilder)

Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie gibt einen Überblick über die zeichnerische Entwicklung von Karl Arnold  bis in die frühen dreißiger Jahre, konzentriert sich jedoch schwerpunktmäßig auf den Werkkomplex seiner beobachtungsreichen Berlinreportagen. Pressezeichnungen wurden als Ephemera erachtet und auch in der Regel dementsprechend behandelt. Dass sich aus dieser Berlin- Serie gleich eine Vielzahl von einundzwanzig  Originalzeichnungen erhalten hat ist als Glücksfall zu werten. Das ganze überlieferte Konvolut ist kürzlich als Schenkung an das Museum weitergereicht worden. In dem Begleitbuch – es ist die erste Publikation zum Werk von Arnold seit mehr als zwanzig Jahren – bringt die Herausgeberin Freya Mülhaupt neben den stilistischen Einflüssen,  denen dieser Sozialzyklus verpflichtet ist, auch seine Qualitäten zum Ausdruck. Arnold zeige darin “sein großes Können als Karikaturist und Zeichner. Von der ätzenden Satire über den ironischen Kommentar bis zum befreienden Witz und zur Bildreportage führt er hier nicht nur viele Spielarten seines Metiers vor, er nutzt auch dessen unterschiedliche Darstellungsmöglichkeiten, ob als grafische Momentaufnahme, als narrativen Comicstrip, als Bilderbogen oder als gezeichnete Montage, und beweist seinen bildschöpferischen Witz und seine formale Sicherheit.”

Die Ausstellung ist mit insgesamt 80 Originalzeichnungen bestückt. Sie ist noch bis zum 27. September in der Berlinischen Galerie zu sehen. Das Katalogbuch ist unter dem Titel “Karl Arnold. Hoppla, wir leben! Berliner Bilder aus den 1920er Jahren” erhältlich.

Karl Arnold: Hinter den Coulissen, 1923 (aus: Berliner Bilder)

Karl Arnold: Simplicissimus, 1923

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