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Von Berlin nach Danzig [Ausschnitte aus: Daniel Chodowiecki’s gezeichneter Bericht einer Reise von Berlin nach Danzig im Jahr 1773]

Der Abschied. Nach monatelangen Reisevorbereitungen verabschiedet sich der Künstler am Morgen des 3. Juni 1773 von seiner Familie im Hof seines Berliner Hauses in der Brüderstrasse.

Der Aufenthalt in Pyritz. Am Morgen des zweiten Tags erreicht er Pyritz, wo das kränkelnde Pferd anfängt zu lahmen. Während es von einem Schmied beschlagen wird, wird Chodowiecki von einem Offizier, der sich als Pferdekenner ausgibt, in ein Gespräch über den Wert des für die Reise neu erworbenen Gauls verwickelt.

Die Nacht in Massow. Chodowiecki übernachtet in der Gemeinschaft eines fieberkranken Wanderkochs auf dem Boden eines Wirtshauses in Massow. Von pöbelnden Soldaten eines dort stationierten preussischen Regiments werden die beiden geweckt. Erst als Chodowiecki sich als Berliner Bürger zu erkennen gibt, ziehen die Betrunkenen von dannen.

Im Sumpf zwischen Naugard und Plate. Am dritten Tag bricht Chodowiecki’s Pferd in eine sumpfige Wiese ein. Nur mit größter Anstrengung gelingt es ihm sich aus der misslichen Lage zu befreien .

Die beiden Treptower. Nach einer Übernachtung in Plate schließt er sich am darauf folgenden Tag zwei Bauern aus Treptow an, die auf dem Weg nach Danzig sind um dort Pferde zu kaufen.

Die beiden Treptower von der Rückseite. Nach einiger Zeit bleibt Chodowiecki’s kränkelnder Gaul zurück. Er nutzt die Gelegenheit zu einer Skizze der beiden davonreitenden Bauern.

Das kassubische Wirtshaus bei Wutzkow. Hinter dem Ort Stolpe beginnt eine äußert arme, von Kassuben bewohnte Region, in der es schwer fällt Proviant zu organisieren. Schliesslich gelingt es in einem Wirtshaus Futter für das Pferd zu bekommen. Auf der Zeichnung ist der Wirt zu sehen, der verkrümmte Beine hat, so wie ein Kaufmann, der mit seinem Kutscher und einem Planwagen auf dem Weg nach Danzig ist. Man beschliesst den Rest der Reise gemeinsam zu unternehmen.

Die neue Reisegesellschaft. Der Kaufmann, ein gebürtiger Kopenhagener erzählt, er kehre nach einem vierjährigen Aufenthalt in Schlesien wieder zu seinem Geschäft in Königsberg zurück.

In der Kassubei. Nach einer Übernachtung in Wutzkow durchquert die Reisegruppe die gänzlich verwahrloste und verarmte Kassubei. Das Elend ist so gross, dass eine Frau den Reisenden ein dreijähriges Kind schenken will. Der Kaufmann verspricht ihr, es bei seiner Rückkehr mitzunehmen und in einer kinderlosen Familie unterzubringen.

Im Poststall zu Donnemerse. In Donnemerse, einem Dorf an der Grenze des von Preussen annektierten Gebiets, erhalten die Reisenden nach vielen Schwierigkeiten ein Mittagessen und Futter für die Pferde. Der Postmeister möchte Chodowiecki sein Pferd abschwatzen, was ihm aber nicht gelingt.

Der Blick auf Langfuhr und Danzig. Nach einer weiteren Übernachtung in einem kassubischen Dorf, zwanzig Kilometer von Danzig entfernt, erblickt Chodowiecki am nächsten Tag endlich das Ziel seiner Reise. Zur Linken breitet sich das Meer mit unzähligen Schiffen aus. In Langenfuhr kann er den Schlagbaum zur autonomen Hansestadt erkennen. Dort verabschiedet sich der Kaufmann .

Vor dem olivischen Tor. Über die neu angelegte Lindenallee gelangt Chodowiecki schnurgerade zum olivischen Tor.

Die “Reitbahn” auf dem Vorstädtischen Graben. Nachdem er seinen Gaul in Pflege gegeben hat lässt er der Mutter einen Brief zukommen, um sie auf seine Ankunft vorzubereiten.

Auf dem Wege zur Heiligengeistgasse. Vorbei an dem bunten Treiben polnischer und deutscher Passanten führt ihn sein Weg zum Elternhaus.

Das Chodowieckische Wohnhaus. Hausnummer 54, Daniel Chodowieckis Geburtshaus. Die beiden Linden wurden von seinem Vater bei ihrer Anpflanzung auf die Namen seiner Söhne Daniel und Gottfried getauft.

Die Begrüßung der Schwester Luise. Auf dem Weg zur Wohnung der Mutter wird er zuerst von der älteren Schwester begrüßt, danach von der Jüngeren .

Die Begrüßung der Mutter. Nach dreißig Jahren sieht Chodowiecki seine Mutter zum ersten Mal wieder. Mittlerweile ist sie alt und gebrechlich geworden.

Die Tanten Justine und Concordia Ayrer. / Ein Ordensgeistlicher. Die beiden Schwestern der Mutter, die mit ihr das Haus bewohnen, werden ebenfalls begrüsst. / Bei seinem ersten Spaziergang begegnet er auf der grünen Brücke einem Ordensgeistlichen, den er sofort skizziert.

Ratsherr von Waasberghe und Buchhändler Penarier. Nach wenigen Tagen beginnt er eine Reihe von Besuchen abzustatten. Alle Personen werden von ihm dabei sogleich gezeichnet.

Der Maler Wessel / Der Modelleur du Brut. Auch die Kollegenschaft in Danzig wird von Chodowiecki bald mit Besuchen versehen. Der Maler Wessel, ein Schüler von Antoine Pesné demonstriert einige Porträtmalereien. Modelleur du Brut hat sich auf das Verfertigen von Medaillen und Wachsfiguren spezialisiert. Er klagt, dass keiner kaufen will und er deshalb eine Notversteigerung seiner Werke plane.

der Besuch bei Herrn Gerdes. Man führt den Künstler zu dem Kaufmann Gerdes, der Kunst sammelt. Chodowiecki hält dessen Gemälde allerdings für unbedeutend. Er trifft hier den Landrat Ledikowski, mit dem er sich angeregt unterhält. Anschliessend werden sie von der Frau des Hauses in ihrem Schlafzimmer empfangen .

Porträtsitzung der Frau Chodowiecka. Der Künstler hat sich in seinem Zimmer, das er in seinem Geburtshaus bezogen hat, einen Arbeitstisch aufgebaut und fertigt hier eine Porträtminiatur der Mutter an. An der Wand hängen die lebensgrossen Porträts der Tanten und Schwestern, die er gleich nach seiner Ankunft verfertigt hatte. Um seine Arbeit an weiteren Porträtzeichnungen etwas zu vereinfachen, fertigt er eine Radierung der räumlichen Situation an. In die Drucke braucht er dann nur noch die jeweils wechselnden Modelle einzuzeichnen. Der Druck der Platte geschieht allerdings nicht zu seiner Zufriedenheit, so dass er das Verfahren im Folgenden nur zweimal anwendet.

Porträtsitzung der Frau von Rottenburg. Frau Rottenburg wird hier im Auftrag porträtiert. Am Fenster steht ihr Gatte zusammen mit dem ältesten Sohn und dem Schwager. Die beiden Schwestern der Porträtierten sind ebenfalls anwesend und auch die Kinder werden herbeigebracht um für Unterhaltung zu sorgen.

Porträtsitzung der Woiwodina Przebendowska. Die Gräfin findet den veranschlagten Preis für die Miniatur zu hoch, lässt sich schliesslich aber doch zeichnen.

Porträtsitzung des Woiwoden Przebendowski. Der Woiwode folgt dem Besipiel seiner Gemahlin und lässt sich ebenfalls porträtieren.

Der Taradei. In strömendem Regen muss Chodowiecki noch einmal mit der Kleinkutsche (Taradei) zum Schloss der von Rottenburg fahren. Man wünscht dort dringend noch ein weiteres Porträt der Frau und zwar diesmal nach dem Schattenriß bei Kerzenschein.

Porträtsitzung des Herrn Peltré. Hier wird der Kaufmann Peltré gezeichnet. Chodowiecki braucht nur seine Figur in den bereits vorbereitenden Kupferstich einzufügen und fertig ist das Bild. Die Porträts der Familienangehörigen im Hintergrund sind mittlerweile abgenommen worden. Sie wurden zur Vervielfältigung zum Kupferstecher gebracht.

Porträtsitzung der Frau Gerdes. Neben der Vollendung der bereits begonnenen Porträtaufträgen hat Chodowiecki einen neuen Auftrag zu erledigen. Frau Gerdes will ihren Mann mit ihrem Konterfei überraschen.

Der Besuch beim Pastor Fabritius. Neben seinen vielen Aufträgen gelingt es Chodowiecki zusammen mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester einen versprochenen Besuch bei Pastor Fabritius zu absolvieren.

Der Leuchtturm bei Weichselmünde. Während eines Ausritts wird Chodowiecki von der pittoresken Anmut eines baufälligen Leuchtturms ergriffen.

Porträtsitzung der Frau von Keyserling. Neue Aufträge sind hinzugekommen verzögern weiter seine Abreise.

Die Starostschenka Ledikowska. Ein Porträtauftrag muss vorerst unerledigt bleiben. Eine junge Dame, die Tochter des Hauses, lässt die Mutter entschuldigen. Chodowiecki ist von ihrer Anmut begeistert.

Porträtsitzung des Herrn Texier. Chodowiecki beeilt sich ein weiteres Porträt zustande zu kriegen. Der Kunde, der ihn in der Wohnung der Mutter erwartet, wird ebenfalls in das vorgezeichnete räumliche Ambiente des Kupferstichs eingearbeitet.

Chodowiecki malt Herrn von Rosenberg. Mehrfach hat Herr von Rosenberg den Wunsch geäussert, ebenfalls porträtiert zu werden. Der anwesende Chirurg Remmert belebt die Sitzung durch Gesprächsbeiträge.

Frau Gerdes “en petite sante”. Chodowiecki möchte an dem Porträt der Frau Gerdes weiterarbeiten, doch sie ist unpässlich und liegt mit Kopfschmerzen im Bett. Auf das Argument, dass der Zustand des Porträtiertwerdens eventuell ihre Kopfschmerzen beseitigen könne, geht sie nicht ein.

Madame Oehmchen wir gemalt. Nachdem der Fürst Primas mit der Erledigung seines Porträtauftrags sehr zufrieden war, soll nun auch seine ganze Umgebung porträtiert werden. Zuerst Madame Oehmchen.

Ein Zug armer Reisender aus Stolpe. Vor Trennungsschmerz ist Chodowiecki’s Mutter zum Abschied erkrankt. Die ganze Rückreise über ist er nicht zum Zeichnen aufgelegt. Einzig ein Zug armer Reisender, in denen er seine melancholische Gemütsverfassung wieder findet, ist ihm eine Zeichnung wert. Am Abend des 18. August ist zurück er in Berlin.

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